Drehtagebuch: Dezember 2009 und Januar 2010

Ende Dezember 2009

Andrej teilt uns mit, dass er die Bluescreen-Studio Einführung hatte und nun nur noch für den geplanten nächsten Drehtermin (17.Januar 2010) den Raum buchen muss.
Super, ich wittere schon wieder die Filmluft 🙂

Anfang Januar 2010

Die Weihnachtszeit und der Neujahresrutsch ist vorbei und in Bremen liegt: SCHNEE.
Ich finds cool.
Weniger cool finde ich, dass ich Andrej nicht erreichen kann und nicht weiß, ob das mit dem Studio nun wirklich steht. Geplant ist eine Szene in der unsere beiden Aktuere auf einer Wolke schwebend sich über deren Gewicht unterhalten.
Aber Wolken gibt’s nur im Bluescreen-Studio.

10. Januar 2010

Die beiden Gerdts waren heute da und haben sich kurz die beiden schon abgedrehten Szenen ansehen dürfen.
Es kamen Einwände, wegen des Lichts und wegen des Schweißes in der Sauna. Ja, wir werden dann sehen, was sich da machen lässt ;-), ich will doch auch einen perfekten, kleinen Kurzfilm!
Andrej ist derzeit nicht erreichbar, zumindest habe ich keine Antwort die mich zuftieden stellt und ich mag die Crew nicht einladen, wenn ich nicht weiß wohin.

Was tun?
Die Schauspieler wollen langsam wissen, was sie zu lernen haben.
Sollen die Darsteller jetzt die Bettszene lernen und ich organisiere noch schnell ein Bett? Oder vielleicht doch besser Pappwolken mit Wattebezug?
Hmmm…
Überleg-überleg.
Wie kann man denn den Tod noch ganz treffend darstellen.
Sollen die beiden im Paradies sitzen?
Oder in der Hölle?
Patricia, Christian und ich sitzen am Küchentisch und grübeln.
„Wie wärs in Särgen, du kennst doch Jasper!“, ruft da mein Kameramann aus.
JA!
Ich hüpf ans Telefon, rufe Jasper an ob er uns zu nächsten Sonntag bitte zwei Särge leihen könnte.
Er fragt die Cordula (der das Beerdigungsinstitut gehört) und die sagt: „Ja, klar“, und die Sache ist geritzt.
Ich setze mich noch am gleichen Abend hin und versuche einen großen Raum zu organisieren und außerdem erweitere ich das Drehbuch um eine Szene:
Die Sargszene.
Perfekt, passt, um 22 Uhr bin ich im Bett.

11. Januar 2010

Annette sagt am Telefon, sie habe eine große Diele, in der sich wohl zwei Särge ganz gut machen würden.
Am liebsten hätte ich ja so eine kleine, süße Friedhofskapelle, aber die kostet die Stunde 150,-€, und dieser Film ist ja ein Low-Budget Film, und ich klage ja schon über 60,-€ die ich pro Drehtermin berappe. Aber das ist wohl jedem klar, Kinder sind teuer, und das ist nunmal mein Baby, wobei Christian auch Alimente zahlt – so is ja nich 😉
Jedenfalls vereinbare ich mit Annette, dass ich am 13. Januar vorbei fahre und mir die Diele mal ansehe.

13. Januar 2010

Was ein Tag!
Ich arbeite von 7 Uhr bis 14.30, hole das Auto, hole Lichtkoffer und Mikro von RadioWeserTV und cruise anschließend zu Annette.
Und dort finde ich, kann aus dem 40qm-Flur mit gelben Wänden und sieben Türen durchaus eine kleine, brauchbare Kapelle gezaubert werden.
Um 19.30 bin ich dann zu Hause und voller Vorfreude.

16. Januar 2010

So, ein Tag vor Drehtermin und ich bin wieder voll am routieren.
Zumal ich heute Spätschicht hab, will heißen bis 14 Uhr muss alles organisiert sein.
Und mir fällt natürlich noch alles mögliche ein.
Die Särge sollen auf keinen Fall auf dem Boden stehen, also brauche ich was für drunter, und ich hab doch kein Auto….und was nun machen….und keiner hat Zeit mir die Sachen zu fahren. Die Idee ist von meiner Arbeitsstelle Stecokisten unter den einen der Särge zu frachten. Ich brauche sechs.
Das nächste ist: Ich will Blumen an den Särgen, aber kein Geld ausgeben dafür.
Also….marschiere ich vor Arbeitsbeginn noch in einen Laden der Plastikblumen verkauft, kaufe weiße Lilien und Primeln für 30,-€ und mein Plan ist, ich bringe sie am Montag zurück.
Und ab 14 Uhr versuche ich mich zu entspannen und mir zu sagen: Viola, du hast alles, was du brauchst.
Und wie immer kann ich am Abend vor dem Dreh schlecht einschlafen – hab ich auch alles?

17. Januar 2010

JUHU, es geht los! Um 8.45 treffe ich mich mit Jasper meinem Sargmann. Und das am Sonntag und auf den Straßen liegt auch noch Frischschnee.
Egal. Wir fahren mit dem Rad den Leichenwagen holen, fahren zu einer Garage wo die Särge und das ganze Zeug gelagert werden, laden zwei Vollholz-Särge ein und eine Menge Kerzenhalter und Tücher und einen Rednerpult dazu.
Und dann fahren wir zu Annette.
Wir laden alles aus, die Nachbarn gucken etwas verwirrt als in Annettes Haus zwei Särge von lachenden Leuten getragen werden.
Der Rest des Teams trudelt auch ein.
Insgesamt 11 Leute am Set, kurz alle vorgestellt.
Inzwischen gibt’s dann ein Techniker-Team und ein Künstlerteam, wobei alle zum Kreativteam geworden sind 🙂
Wir besprechen wie alles am besten aussehen wird, räumen die Särge und alles entsprechend hin, Spannen Tücher und Decken auf und aus einem 40 qm Flur wird tatsächlich eine kleine Kapelle – zumindest für den Bildausschnitt.

Es war diesmal richtig super. Vorallem habe ich beschlossen, die einzelnen Szenen nicht mehr chronologisch abzudrehen sondern den Schluss zuerst zu drehen, damit das nicht auf den letzten Drücker gemacht wird, wenn eh keiner mehr Lust hat.
Bis zur Mittagspause hatten wir das Ende im Kasten, konnten in Ruhe essen und sind dann sogar noch den Kuhstall für eine der nächsten Szenen anschauen gegangen.
Außerdem entflammte in der Mittagspause noch eine Diskussion, weil angemerkt wurde, die beiden Schauspieler kämen nicht authentisch in ihrer Sprechweise rüber.
Und irgendwie verunsicherte mich das erst, weil es letztlich immer wieder ein Kritikpunkt ist (auch, wenn ich festgelegt habe, dass das so sein soll. Nur wenn es keiner rafft…und außerdem verstehe ich auch gut, was gemeint ist…..hach, alles nicht so leicht….)
Aber genau dabei kam ne richtig gute Idee zustande, den Film um noch eine Szene reicher zu machen, nämlich dass die beiden Darsteller in natürlicher Umgebung gefilmt werden, zum Beispiel im Gerichtssaal.
Und das meine Lieben….find ich großartig. Ich werd sehen, was sich machen lässt.
Na, jedenfalls konnte nach der Mittagspause gestärkt der auswendiggelernte Dialog abgedreht werden.

Als alles im Kasten war konnten alle nochmal Probeliegen im Sarg.
Das Abbauen ging schnell. Ich hab noch auf Jasper gewartet, der die Särge, Tolja und mich wieder abholte und so um 19 Uhr war ich zu Hause.
Völlig im Eimer, das sind wirklich anstrengende Tage.

Ja, das Resümee des Sargdrehs ist:
Wir werden immer besser! Meine Ansagen werden immer klarer (tatsächlich hat Patricia mir heute gesagt, genau das wär eine meiner Stärken….hmm), das Team findet sich und wächst zusammen und der Spaß bleibt erhalten.

Und was ich echt richtig klasse finde ist, dass dieser Film lebendig ist. Ich bin immer mehr überzeugt davon, dass es ein richtig guter Film wird!

Ich freu mich auf den nächsten Dreh!