Drehtagebuch 7.Juni 2009 – 20.September 2009

7. Juni 2009

Tolja, Mirko und ich sind nach Oldenburg ins Edith-Ruß Haus gefahren. Unterwegs
erzählen sie mir von einer Idee: Zwei Männer liegen nebeneinander in ihren Anzügen mit
Krawatte im Bett und unterhalten sich über Steuern – oder Akten – oder irgendwas.
Mir gefällt die Idee.

8. Juni 2009

Ich fange an das Drehbuch zu schreiben. Habe nur eine ungefähre Ahnung davon, wie das
geht. Weiß nur in etwa, wie die Formatierung auszusehen hat.
Zwar habe ich schon des öfteren mal Fachbücher dazu gelesen und mir Drehbuchtexte
aus dem Netz gezogen – aber Ahnung habe ich trotzdem nicht davon.
So oder so – das Grundgerüst steht. Die beiden Männer in ihren Anzügen befinden sich an
absurden Orten – zum Beispiel im Bett liegend oder im Wald sitzend, oder auch in der
Sauna – und führen Fachgespräche über den jeweiligen Ort an dem sie sitzen.

Mitte Juni 2009

Christian, mein Mitbewohner und zugleich mein absurder Filmkunstpartner,
Kameramann, Blitzableiter und Ideen-Auswerter schickt mir einen Link zum Download
eines super-guten Drehbuchschreibprogramms. Celtx. Endlich – eine
Formatierungsvorlage.
Ich schreibe das Drehbuch nochmal neu – mit dem Programm.
Super! Sieben Szenen, zehn Seiten, viel aufwendiger, fachlich fundierter, Dialog.
Am liebsten möchte ich sofort anfangen zu drehen.
Brauche aber noch engagierte Männer Mitte bis Ende 40 in Anzügen: Ich sehe mich um.

11. Juli 2009

Auf dem Geburtstag einer Freundin unterhalte ich mich mit einem Bekannten. Gert.
Neben ihm sitzt der Mann meiner Freundin. Gerd.
Beide Mitte/Ende 40, unkonventionell, Gert mit Dreitagebart und zerwuschelten
Haaren. Gerd leicht angetrunken, macht wie immer irgendwelche Späßchen.
Das sind meine Hauptdarsteller. Gert&Gerd.
Ich weiß, sie glauben es mir nicht, aber während des Gespräches stelle ich mir die
beiden gescheitelt, im Anzug sitzend auf einem Baumstamm vor und denke: das sind sie.
Ich erzähle von meiner Drehbuchidee. Und schließlich frage ich.
Habt ihr Lust mitzumachen?
Damit gehen wir dann auseinander, ich verspreche ihnen das Drehbuch zuzuschicken.
Fertig.

Ende Juli 2009

Ich habe die Drehbücher geschickt und warte gespannt auf die Reaktionen. Leider
kommen keine. Das nervt mich schon wieder.
Ich will doch los drehen.
Geht halt nicht. Gert ist noch im Urlaub. Gerd hat aber das Drehbuch schon gelesen, und
gesagt, wenn er es schafft…. und nicht so super aufgeregt ist vor der Kamera….. und
man kanns ja mal versuchen….
Ich beruhige ihn. Wir sind alles Laien. Das wird schon. Glücklicherweise könne man die
Szenen ja auch mehrmals drehen….
In der Zwischenzeit überlege ich mir, welche Drehorte wir nutzen können. Frage hier und
da mal nach. Zwar habe ich sie noch nicht alle gesehen, aber ich habe Zusagen für fast
alle: Wald (wenn auch noch nicht DEN perfekten), Schwimmbad (ich suche aber noch
eine bessere Kulisse), Kuhstall, Sauna, Kindergarten.
Nur das Bett…das habe ich noch nicht gefunden.

Anfang August 2009

Gert sagt zu. Zwar sagt er auch, er habe das ja noch nie gemacht…..ob er das wohl
kann….hat mal Theater gespielt….und Film….ist ganz anders….was erwartest du
denn….du musst sagen, wie ich das machen soll.
Das habe ich aber im Moment nicht im Kopf.
Ich weiß in etwa, wie das aussehen soll – ich weiß, die beiden werden es bringen – aber
ich kann mich nicht gut formulieren.
Ich sag das wird schon.
Wir vereinbaren einen Probetermin. Die erste Szene soll durchgespielt werden.
Erst jetzt suche ich auch weitere Hilfefreudige Mitwirkende. Schicke ne Rundmail aus,
poste eine Hilfegesuch auf unserer Homepage.
Es melden sich ein paar Leute, ich muss mich damit zufrieden geben.

Ende August

Cool, Christian hat günstig eine Kamera geschossen. Eine, die ein bisschen nach was
aussieht. Ich moserte immer rum, dass ich nicht so einen kleinen Urlaubsvideo-
Camcorder haben will, sondern was ordentliches, etwas, was meine SchauspielerInnen
auch ernst nehmen.
Und nun ham wir eine Canon XL1 – nur ist sie noch nicht da zu unserem ersten
Probetermin, der am

30.August 2009

statt findet.
Also haben wir uns für heute die Kamera des offenen Kanals Bremen geliehen – Radio
Weser TV.
Ich hatte sehr gehofft, dass heute ein paar mehr Leute von unserer Crew mit dabei sein
können, doch leider waren wir nur zu sechst.
Gerd&Gert, Tolja, Jan, Christian und ich. Wir drehten bei Gert im Garten und später –
weil starker Regen einsetzte – auf seiner Terrasse. Die Waldszene.
Alles lief gut, nur dass ich auf ein Kabel trat und damit das Kabel von Christian und die
Kamera des offenen Kanals beschädigte. Zum Glück konnten wir noch weiter drehen, nur
konnte ich die Aufnahmen nicht mehr auf dem Monitor verfolgen. Selbst Schuld.
Ich finde, es lief alles soweit ganz gut, nur wird immer wieder bemängelt, dass ich zu
wenig Anweisungen gebe.
Ich muss konkreter werden. Klar sagen, was ich will.

6. September 2009

Gert, Christian und ich fahren nach Oldenbüttel. Dort soll ein geeigneter Wald mit
Stromanschluss sein.
Ich entdecke den perfekten Wald für unseren Dreh. Ich sehe zwei Männer im hohen Farn
sitzen. Ihre Aktentaschen auf dem Schoß, die Vögel piepen im Hintergrund.
Genial. Mein Schauplatz. Ich liebe diesen Wald.
Danke Gert. Danke Jens-Volker.
Von Jens-Volker werden wir den Strom beziehen dürfen. Ich kenne ihn nicht, lerne ihn
auch nicht kennen an jenem Tag. Aber ich weiß, dieser Wald ist richtig.
Am Ende des Waldtages sagt Christian mir wieder, dass ich klarer werden muss. Nicht so
viele wenns und vielleichts in meinen Sätzen unterbringen.
Die Leute brauchen klare Anweisungen, sonst würden sie irgendwann rebellieren…
Ich übe das. Ich zahle den Leuten keine Gage und frage mich dann, wie viel ich wie
fordern kann. Aber es stimmt, wenn man nicht weiß, was man machen soll ist das
unbefriedigend.
Ich übe dran….

Mitte September

Der erste Drehtag wird festgelegt. Es soll der 20. September sein. Ich schreibe Rundmails
damit die Leute wissen, wann sie wohin kommen sollen. Ich mache die letzten
Besorgungen. Inzwischen ist unsere Kamera da. Ich probiere sie aus. Kaufe Lampen,
Folien, Unterstellmöglichkeiten falls es regnet.
Lege die Besetzung der Crew anhand der Personen fest, die mitmachen. Jan kümmert
sich ums Licht, Mirko ums Essen und so weiter.
Und dann werde ich krank.
Einen Tag vor Drehtermin haben Jan, Christian und ich einen Drehauftrag für eine
Hochzeit. 14 Stunden Arbeit. Und am nächsten Tag soll die erste Szene für „Fehl am
Platz“ gedreht werden.

20. September 2009

Ich bin völlig im Eimer. Müde, heiser und …krank. Egal, der Dreh findet statt.
Mir ist das wichtig, auch wenn immer einige rumwitzeln, ich könne den Termin ja
absagen. Aber wenn ich absage, dann dauert es ewig einen neues Termin zu finden, weil
es so schwer ist, für minimal vier und maximal viele Leute einen passenden Termin zu
finden.
Da alle Mitwirkenden nebenher noch arbeiten und andere Verpflichtungen haben ist das
so schwer. In diesen Momenten wünsche ich mir, viel Geld zu haben, und meine Crew
bezahlen zu können.
Aber alles klappt soweit.
Am Morgen um 10 Uhr kommen Jan und Annette zu uns nach Hause. Auch Jan vom
Vorabend noch völlig platt. Christian ist pünktlich um 9.45 aufgestanden und macht sich
einen Matetee.
Wir fahren los, holen Tolja und Mirko ab und sind kurz nach 11 Uhr am Drehort.
Gert&Gerd ebenfalls.
Super! Das Wetter spielt 1a mit. Sommerlich warm. Kein Regen.
Ich halte eine kleine Ansprache und es geht an den Aufbau.
Was uns aber fehlt ist jemand, der eine Kravatte binden kann. Da hab ich natürlich
vorher dran gedacht, aber niemanden mehr nach gefragt….Aber selbst da haben wir
Glück – Dario kommt und ist der einzige von uns allen, der eine Kravatte binden kann.
Super!
Der erste Drehtag läuft soweit ganz gut. Glücklicherweise habe ich Annette an meiner
Seite, die den beiden Schauspielern irgendwie besser vermitteln kann, wie sie
authentisch und dennoch vollkommen absurd rüberkommen.
Ich gebe diesen Part gerne ab.
Ein Patzer passiert: Nach der Mittagspause vergisst Gerd seine Brille aufzusetzen, und
niemand hats gemerkt.
So haben wir noch einen panischen Nachdreh improvisiert. Ärgerlich, aber ist so.
Um 16 Uhr war aber alles im Kasten – und meine Stimme fast weg.
Ich war auch zu fertig um das Auto noch heile zurück nach Bremen zu bringen, und habe
statt dessen Jan fahren lassen.